
Lesetipp von
Lisa Kurth
24.08.2011
Paris, um 1960. Der zwölfjährige Michel hält nicht viel von Schularbeiten. Lieber verbringt er seine Nachmittage beim Tischfußball in den Bistros. Im "Balto" wird er auf ein Hinterzimmer aufmerksam, wo Männer ein- und ausgehen. Er entdeckt den "Club der unverbesserlichen Optimisten", Treffpunkt von aus dem Ostblock Geflohenen. Hier wird Schach gespielt und geschwiegen, getrunken und diskutiert. Auch Sartre ist regelmäßiger Gast. Wenn es etwas zu feiern gibt, bestellt der Wirt am nächsten Tag neue Gläser. Michel freundet sich mit den Männern an und erfährt nach und nach ihre Lebensgeschichten und die Umstände ihrer Freund- und Feindschaften.
Politik ist auch zu Hause ein wichtiges Thema, denn Michels Mutter stammt aus der Bourgeoisie, während der Vater Sohn von italienischen Einwanderern ist. Das sorgt für Sprengstoff, vor allem als Michels großer Bruder und Kommunist nach Algerien verschwindet. Bei allen Turbulenzen findet Michel seinen eigenen Weg, der ihn zur Photographie und zur ersten Liebe führt.
Guenassia erzählt mit "typisch französicher Leichtigkeit" - von Eva Moldenhauer wunderschön ins Deutsche übersetzt - und voller Charme. Ein preisgekrönter Roman und ein echtes Lieblingsbuch: Ich habe gelacht und geweint und gelacht...
Übersetzung: Eva Moldenhauer
Roman
Suhrkamp, 24,90 €